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Freie Software

Entstehung freier Software

Größere Freie-Software-Projekte werden in der Regel nicht von einem einzelnen Programmierer entwickelt. Stattdessen arbeitet meist eine Vielzahl von Entwicklern zusammen, die zum Teil über die ganze Welt verteilt sind. Um Diskussionen zu führen und sich untereinander unabhängig von der großen räumlichen Distanz abzustimmen, verwenden sie die Kommunikationsmöglichkeiten des Internet wie zum Beispiel Emails, Newsgroups oder Chats.

Um zu gewährleisten, dass eine große Anzahl von Entwicklern gleichzeitig an dem Quelltext einer Software arbeiten kann, wird eine so genannte Versionsverwaltung-Software verwendet, die es erlaubt, Teile des Quelltextes von einem Server herunterzuladen („auszuchecken“) , lokal zu ändern und anschließend wieder auf den Server hochzuladen („einzuchecken“). Falls es dabei zu Konflikten kommt, weil unterschiedliche Benutzer die gleichzeitig die gleiche Quellcodedatei geändert haben, bietet eine solche Software auch Hilfe beim so genannten „Mergen“, also dem Zusammenfügen der beiden unterschiedlichen Varianten der Datei. Beispiele für solche Versionsverwaltung-Programme sind subversion, bazaar oder git.

Oft hat zunächst jemand ein persönliches Interesse, ein ganz bestimmtes Problem zu lösen und beginnt deshalb, eine Software dazu zu schreiben, die er über das Internet veröffentlicht. Andere Programmierer verwenden diese Software dann für ihre eigenen Zwecke und verbessern oder erweitern deren Funktionalität nach ihren eigenen Bedürfnissen, wovon wiederum der ursprüngliche Entwickler profitiert. Damit entsteht eine „Win-win“-Situation für alle Beteiligten, die die Weiterentwicklung der Software immer weiter vorantreibt.

Die Motivation der Entwickler kann dabei sehr unterschiedlich sein. Teilweise arbeiten Schüler, Studenten und Amateure aus Wissbegierde, als Hobby oder einfach nur aus spielerischer Neugierde an freien Softwareprojekten mit. Ebenso gibt es aber auch professionelle und hochspezialisierte Softwareentwickler, die als Ausgleich zu ihrer täglichen fremdbestimmten beruflichen Arbeit in ihrer Freizeit an einem freien Softwareprojekt ihrer eigenen Wahl mitarbeiten.

Ebenso beteiligen sich auch viele Nicht-Entwickler an freien Softwareprojekten, indem sie beobachtete Fehler melden oder Dokumentationen schreiben. Es gibt spezielle Softwaresysteme (wie zum Beispiel „Bugzilla“) zur Verwaltung von Fehlermeldungen und Erweiterungswünschen, bei denen die Entwickler selbständig kennzeichnen können, dass sie an der Beseitigung eines bestimmten gemeldeten Fehlers arbeiten, so dass unnötiger mehrfacher Aufwand möglichst vermieden wird.

Neben einer Vielzahl von ehrenamtlichen Entwicklern werden teilweise aber auch Unternehmen damit beauftragt, freier Softwarepakete als Auftragsarbeit zu schreiben oder zu erweitern. Die dazu nötigen finanziellen Mittel können von Privatpersonen oder wiederum andern Firmen stammen, die eine bestehende Software für ihre Zwecke anpassen wollen. Darüber hinaus werden einige Projekte auch durch so genanntes „Crowdfounding“ finanziert, bei dem von einer Vielzahl von Leuten kleinere freiwillige Spenden eingesammelt werden, wodurch insgesamt erstaunlich hohe finanzielle Summen zustande kommen können.

Aufgabe 1

Informiere dich über die Software GPG4Win . Wozu dient sie? Unter welcher Lizenz wurde sie veröffentlicht? Wer hat ihre Entwicklung finanziert und in Auftrag gegeben?

Aufgabe 2

Informiere dich über das sehr vielbeachtete Essay „The Cathedral and the Bazaar“ von Eric S. Raymond. Wofür steht das Bild der Kathedrale, wofür das des Bazars? Wie unterscheiden sich „Kathedrale“ und „Bazar“ beim „Bau“ und im späteren „Betrieb“?
Literaturangaben:
Homepage von Eric S. Raymond mit dem Essay auf Englisch.
Deutsche Übersetzung des Essays: Die Kathedrale und der Bazar

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